"Kreativität braucht Freiheit, Verlässlichkeit und Vertrauen."
Zukunftspapier der Bayerischen Kunsthochschulen 2026 bis 2032
Die sechs bayerischen Kunsthochschulen sind die kulturellen Zukunftswerkstätten des Freistaats Bayern. Sie eröffnen Räume für künstlerische Innovation, gesellschaftliche Reflexion und interdisziplinäres Denken. Sie fördern kulturelle Teilhabe, gesellschaftlichen Dialog und den offenen Austausch unterschiedlicher Perspektiven. In Zeiten globaler Transformation leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zu Resilienz, Innovationsfähigkeit und kultureller Identität.
Damit die Hochschulen diesen Auftrag auch künftig erfüllen können, benötigen sie verlässliche strukturelle Rahmenbedingungen, Autonomie und langfristige Planungssicherheit. Das künstlerische Studium ist eine Investition in Bayerns Zukunft.
Starke Grundfinanzierung und verlässliche Strukturen
Kompakte Strukturen erfordern flexible Steuerung und hohe Eigenverantwortung.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Eine nachhaltige Erhöhung der Grundfinanzierung um mindestens 15% zur Sicherung von Leistungsfähigkeit und Planungssicherheit.
- 100%ige Kapitalisierung freiwerdender Stellen, um trotz kleiner Stellengerüste handlungsfähig zu bleiben.
- Sicherer und planbarer Umgang mit Ausgaberesten der Hochschulen, insbesondere durch eine verlässliche Übertragbarkeit eines angemessenen Anteils der Jahreszuweisungen oder zumindest durch verbindliche Vorgaben zum Umfang übertragbarer Ausgabereste.
- Dauerhafte Aussetzung der Wiederbesetzungssperre insbesondere im wissenschaftsstützenden Personal, um Funktionsfähigkeit und Wissenssicherung zu gewährleisten.
- Reduzierung operativer Detailsteuerung und Indikatorik zugunsten praxisgerechter Steuerungsinstrumente und Kennzahlen.
- Verstetigung erfolgreicher Kooperationsprojekte der Kunsthochschulen.
- Entbürokratisierung und nachhaltige Investitionen in die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen.
- Erhöhung der Mittel für nachhaltigen Hochschulbau und Sanierung, einschließlich umfassender Barrierefreiheit.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz kreativ gestalten
Digitalisierung und KI erweitern künstlerische Ausdrucksformen und verändern Produktions- und Rezeptionsprozesse grundlegend.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Verstetigung und Ausbau der Hightech Agenda Stellen und Mittel in der Grundfinanzierung.
- Ausbau digitaler Innovationsprojekte.
- Verankerung von KI-Kompetenzen in Administration, Studium und Lehre.
- Stärkung der digitalen Infrastruktur in Verwaltung und Forschung.
- Weiterentwicklung digitaler Verwaltungsprozesse im Sinne effizienter und moderner E-Governance.
Forschung und Qualifikationsstrukturen stärken
Mit dem Hochschulinnovationsgesetz wurden wissenschaftlich-künstlerische und künstlerische Forschung als Kernaufgabe der Kunsthochschulen verankert.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Weiterentwicklung des dritten Zyklus mit wissenschaftlichen und wissenschaftlich-künstlerischen Promotionen sowie promotionsäquivalenten künstlerischen Qualifikationsformaten.
- Ausbau grundfinanzierter Forschungsstrukturen einschließlich Publikationsfonds.
- Verbesserte Rahmenbedingungen für Drittmittelakquise und Kooperationen.
- Stärkung der Wissenschaftskommunikation zur Sichtbarkeit künstlerischer und wissenschaftlich-künstlerischer Forschung.
- Nachhaltige Förderung künstlerischer und wissenschaftlich-künstlerischer Forschungsformate, z. B. Innovationslabore.
Gleichstellung, Diversität und Inklusion leben
Vielfalt ist Voraussetzung künstlerischer Exzellenz und gesellschaftlicher Relevanz.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Nachhaltige Strukturen zur Förderung von Gleichstellung, Chancengleichheit, Diversität und Inklusion.
- Durchgängige Barrierefreiheit – räumlich, kommunikativ und digital.
- Familienfreundliche Strukturen für Studium und Beruf.
- Verankerung von Vielfalt als strukturelles Qualitätsmerkmal.
Lehr- und Personalentwicklung zukunftsfähig gestalten
Exzellente Ausbildung erfordert kontinuierliche Weiterentwicklung von Lehre und Personal.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Einführung eines bayernweiten Lehrzertifikats für künstlerische Lehre.
- Systematische Förderung von künstlerischem und wissenschaftlichem Nachwuchs.
- Ausbau des Mittelbaus und gezielte Personalentwicklung – auch für Verwaltung und Technik.
- Qualifizierung des Verwaltungspersonals im Bereich Digitalisierung und KI sowie Bereitstellung der hierfür erforderlichen Mittel.
- Strukturierte Fort- und Weiterbildungsprogramme mit regelmäßiger Evaluation.
Nachhaltigkeit als kulturelle Verantwortung
Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des künstlerischen Bildungsauftrags.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Kooperative Nachhaltigkeitsstrategien im Verbund.
- Integration der 17 Nachhaltigkeitsziele in Lehre, Forschung und künstlerische Praxis.
- Investitionen in klimaneutrale Infrastruktur und Gebäudesanierung.
- Stärkung von Bewusstseinsbildung und gesellschaftlichem Transfer.
Internationale Vernetzung
Die Kunsthochschulen sind international vernetzte Akteure mit hoher globaler Sichtbarkeit.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Langfristige Sicherung internationaler Kooperationen.
- Stärkung von Mobilitätsprogrammen.
- Integration internationaler Perspektiven im Studienverlauf.
- Stabile finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen für internationale Zusammenarbeit.
Gesellschaftlicher Transfer und Gründungsförderung
Kunsthochschulen sind zentrale Orte des gesellschaftlichen Dialogs und der kreativen Innovation.
Die Kunsthochschulen setzen sich ein für:
- Ausbau von Transferprojekten an der Schnittstelle von Kunst, Gesellschaft und Kreativwirtschaft.
- Verstetigung der Gründungsförderung in künstlerischen und interdisziplinären Berufsfeldern.
- Finanzielle und strukturelle Absicherung ihrer öffentlichen Aufgaben als Ausstellungs-, Aufführungs- und Veranstaltungsorte, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsstandards, Veranstaltungsinfrastruktur und Betriebskosten.
Die bayerischen Kunsthochschulen verbinden künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung. Sie gestalten aktiv die Zukunft von Kunst, Bildung und Forschung. Damit Bayern auch künftig ein international führender Standort für Bildende Kunst, Film und Musik bleibt, braucht es eine verlässliche Grundfinanzierung, strukturelle wie finanzielle Flexibilität und Vertrauen in ihre Autonomie und Gestaltungskraft.
